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Rivian-Technik soll die nächste Generation von VW-Elektroautos prägen

Die gemeinsame Software- und Elektronikentwicklung von Rivian und dem Volkswagen-Konzern rückt näher an die Serienautos. Für künftige Modelle von VW, Audi, Porsche, Skoda und Cupra könnten weniger Steuergeräte, weniger Kabel und bessere Over-the-Air-Updates zum entscheidenden Fortschritt werden.

Rivian R1T und ein Volkswagen ID. Elektroauto stehen an einer modernen Ladestation vor einem Entwicklungszentrum
Image: Rivian Newsroom

Rivian wird für Volkswagen mehr als nur ein Software-Partner

Die Partnerschaft zwischen Rivian und dem Volkswagen-Konzern entwickelt sich zu einem der wichtigsten Technikprojekte für die nächste Elektroauto-Generation aus Wolfsburg. Im Zentrum steht nicht ein einzelnes Modell, sondern die grundlegende Elektronik- und Softwarearchitektur, auf der kommende Fahrzeuge von Volkswagen, Audi, Porsche, Skoda, Cupra und weiteren Konzernmarken aufbauen sollen.

Das gemeinsame Unternehmen Rivian and Volkswagen Group Technologies, kurz RV Tech, wurde 2024 angekündigt. Der finanzielle Rahmen liegt bei bis zu 5,8 Milliarden US-Dollar, umgerechnet wurde er auch mit rund 4,5 Milliarden Pfund beziffert. Die Größenordnung macht deutlich: Es geht nicht um eine kleine Zuliefervereinbarung, sondern um einen strategischen Eingriff in die Art, wie künftige Elektroautos des Konzerns entwickelt, gebaut und über Jahre hinweg aktualisiert werden.

Rivian bringt dabei vor allem Erfahrung mit moderner Fahrzeugsoftware, eigener Elektronik-Hardware und einer vergleichsweise schlanken Fahrzeugarchitektur ein. Volkswagen steuert seine industrielle Reichweite, globale Modellpalette und Produktionskapazität bei. Für beide Seiten ist die Logik nachvollziehbar: Rivian erhält Skaleneffekte und einen finanzstarken Partner, Volkswagen beschleunigt den Umbau seiner Software- und Elektronikbasis.

Weniger Steuergeräte, weniger Kabel, mehr Rechenleistung

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AI-generated supporting image AI-generated image: AutoScout24

Ein Kernbegriff des Projekts ist die zonale elektrische Architektur. In vielen heutigen Autos sind zahlreiche Steuergeräte über das Fahrzeug verteilt. Jedes System – vom Fensterheber über Fahrassistenz bis zum Infotainment – kann eigene Elektronikmodule, Kabelwege und Softwareabhängigkeiten mitbringen. Das macht moderne Fahrzeuge leistungsfähig, aber auch schwer, teuer und komplex.

Eine zonale Architektur bündelt Funktionen stärker in bestimmten Fahrzeugbereichen. Statt Dutzender separater Steuergeräte übernehmen leistungsfähigere Rechner mehrere Aufgaben. Die Verkabelung kann kürzer und einfacher ausfallen, weil Sensoren und Aktoren näher an lokalen Steuerzentren angebunden werden. Daraus ergeben sich potenzielle Vorteile bei Gewicht, Materialeinsatz, Produktionsaufwand und Fehlerdiagnose.

Für Autokäufer klingt das zunächst abstrakt. In der Praxis kann diese Architektur aber spürbare Folgen haben. Weniger Kabel und weniger Steuergeräte können helfen, Kosten zu senken oder zumindest den Kostendruck bei Elektroautos zu verringern. Eine klarere Elektronikstruktur kann zudem die Zuverlässigkeit verbessern, weil weniger einzelne Komponenten und Schnittstellen miteinander koordiniert werden müssen. Entscheidend ist außerdem, dass Software-Updates leichter ins Fahrzeug kommen und sauberer über mehrere Systeme hinweg funktionieren.

Warum Over-the-Air-Updates wichtiger werden

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Elektroautos werden zunehmend wie digitale Plattformen behandelt. Das bedeutet nicht nur große Touchscreens oder App-Anbindung, sondern auch eine längere Weiterentwicklung nach der Auslieferung. Over-the-Air-Updates können Fehler beheben, Funktionen verbessern oder neue Dienste freischalten, ohne dass der Wagen in die Werkstatt muss.

Rivian hat diesen Ansatz von Beginn an stark betont. Bei Volkswagen ist die Erfahrung mit Software in den vergangenen Jahren dagegen gemischt ausgefallen. Gerade beim Start der ID.-Familie zeigte sich, wie schwierig es ist, ein großes Autohaus- und Produktionssystem auf softwaredefinierte Fahrzeuge umzustellen. Updates, Infotainment-Performance und die Integration neuer Funktionen waren für viele Kunden entscheidende Alltagsthemen.

Die neue Kooperation soll genau an dieser Stelle ansetzen. Wenn Hard- und Software von Anfang an gemeinsam gedacht werden, lassen sich Funktionen später einfacher nachreichen oder verbessern. Für Besitzer kann das bedeuten, dass ihr Fahrzeug über die Laufzeit nicht nur stabil bleibt, sondern in bestimmten Bereichen tatsächlich besser wird. Für Hersteller ist es eine Möglichkeit, Entwicklungszyklen zu verkürzen und neue Funktionen markenübergreifend auszurollen.

SSP als zentrale Bühne für die neue Technik

Die gemeinsam entwickelte Technik soll vor allem mit Volkswagens kommender SSP-Architektur verbunden werden. SSP steht für die nächste große Elektroplattform des Konzerns und soll langfristig mehrere heutige Plattformen ablösen oder zusammenführen. Sie ist für eine breite Palette von Fahrzeugen gedacht – vom Volumenmodell bis zum hochwertigen Premium- oder Performance-Elektroauto.

Damit ist die Tragweite der Rivian-Kooperation größer als bei einer einzelnen Modellfamilie. Wenn SSP wie geplant bei verschiedenen Konzernmarken eingesetzt wird, könnten Rivians Elektronik- und Softwareansätze in sehr unterschiedlichen Fahrzeugen auftauchen: in einem künftigen Volkswagen-Modell, einem Skoda-Familienauto, einem Cupra mit sportlicher Ausrichtung, einem Audi der nächsten EV-Generation oder einem elektrischen Porsche.

Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Autos identisch werden. Die Grundarchitektur kann gemeinsam sein, während Marken weiterhin eigene Fahrwerksabstimmungen, Innenraumkonzepte, Bedienoberflächen, Leistungsstufen und Designsprachen entwickeln. Für den Konzern ist genau diese Kombination attraktiv: ein gemeinsamer technischer Unterbau, aber unterschiedliche Markencharaktere darüber.

Was Käufer davon haben könnten

Für Kunden zählt am Ende nicht, welche interne Architektur unter der Karosserie steckt, sondern ob das Auto einfacher zu bedienen, zuverlässiger, effizienter und zukunftssicherer ist. Die Rivian-VW-Technik könnte vor allem in vier Bereichen relevant werden.

Erstens kann eine reduzierte elektrische Komplexität beim Gewicht helfen. Jedes eingesparte Kabel und jedes wegfallende Steuergerät ist für sich genommen klein, in Summe aber relevant. Bei Elektroautos wirkt sich Gewicht direkt auf Effizienz, Reichweite, Bremsen- und Reifenverschleiß aus.

Zweitens kann eine moderne Softwarebasis die Bedienung verbessern. Schnellere Reaktionen des Infotainments, zuverlässigere Smartphone-Integration und stabilere Assistenzsysteme sind für viele Käufer längst wichtiger als klassische Leistungsdaten.

Drittens können Updates den Werterhalt beeinflussen. Ein Auto, das auch nach drei oder fünf Jahren neue Funktionen oder Verbesserungen erhält, wirkt auf dem Gebrauchtwagenmarkt attraktiver als ein Modell, dessen Softwarestand praktisch eingefroren ist.

Viertens kann eine gemeinsame Architektur die Entwicklungs- und Produktionskosten senken. Ob diese Einsparungen direkt bei den Preisen ankommen, ist offen. In einem Markt mit hartem Wettbewerb durch Tesla, chinesische Hersteller, Hyundai-Kia und weitere Anbieter ist Kostendisziplin für etablierte Hersteller aber entscheidend.

Für Volkswagen ist es auch ein Kulturwandel

Die Partnerschaft zeigt, wie stark sich die Autoindustrie verändert. Früher kauften große Hersteller viele elektronische Komponenten bei Zulieferern ein und integrierten sie in ein Fahrzeugprojekt. Heute wird die zentrale Softwarearchitektur selbst zu einem Wettbewerbsfaktor. Wer sie beherrscht, kann schneller entwickeln, Kunden länger binden und Fahrzeuge nach dem Verkauf weiter verbessern.

Für Volkswagen ist der Schritt besonders bedeutsam, weil der Konzern sehr viele Marken und Fahrzeugklassen abdeckt. Eine neue technische Basis muss nicht nur in einem Premium-Elektroauto funktionieren, sondern auch in großen Stückzahlen, in unterschiedlichen Märkten und unter verschiedenen regulatorischen Anforderungen. Rivians Erfahrung ist wertvoll, doch die Skalierung auf Konzernniveau bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe.

Noch keine Garantie für perfekte Software

Trotz des großen Potenzials bleibt Vorsicht angebracht. Eine neue Architektur allein garantiert keine fehlerfreien Autos. Entscheidend wird sein, wie sauber Volkswagen und Rivian die Technik in Serienmodelle übertragen, wie gut Händler und Werkstätten vorbereitet werden und wie transparent Updates gegenüber Kunden kommuniziert werden.

Auch der Zeitplan hängt an künftigen Modellprogrammen und Plattformentscheidungen. Klar ist bisher vor allem die Richtung: Die nächste Generation von Elektroautos aus dem Volkswagen-Konzern soll stärker softwaredefiniert, einfacher vernetzt und elektronisch weniger fragmentiert werden.

Für Käufer und Enthusiasten ist das eine wichtige Entwicklung, weil sie zeigt, dass der Wettbewerb bei Elektroautos längst nicht mehr nur über Batteriekapazität, Ladeleistung und Beschleunigung entschieden wird. Die unsichtbare Architektur unter dem Blech wird immer stärker darüber bestimmen, wie gut sich ein Auto im Alltag anfühlt – am ersten Tag und Jahre später.