Alle Nachrichten

McLaren bringt 2028 erstmals ein hybrides Performance-SUV

McLaren erweitert sein Modellprogramm: Ein elektrifiziertes Performance-SUV mit dem internen Projektcode P47 ist für etwa 2028 geplant. Zuvor soll ein neuer Hybrid-Supersportwagen kommen.

Dynamisch gezeichnetes McLaren Performance-SUV als getarnter Prototyp auf einer kurvigen Straße
Image: AutoScout24 Model Catalog

McLaren öffnet die Tür zum SUV-Segment

McLaren bereitet den bislang größten Bruch mit seiner eigenen Modelltradition vor: Für etwa 2028 ist ein hybrides Performance-SUV geplant. Das Projekt trägt intern den Code P47 und soll die Marke erstmals in ein Segment führen, das viele Wettbewerber längst als wichtige Ertragsquelle nutzen. Für McLaren, bisher vor allem mit zweisitzigen Supersportwagen, Carbon-Monocoques und Mittelmotor-Konzepten verbunden, ist das mehr als nur ein weiteres Modell. Es ist ein strategischer Richtungswechsel.

Der Zeitpunkt ist ebenfalls wichtig. Bevor das SUV startet, soll ein neuer Hybrid-Supersportwagen mit dem Projektnamen P34 erscheinen. Für dieses Modell steht eine Leistung von rund 810 PS im Raum. Damit bleibt die sportliche Kern-DNA der Marke zunächst klar im Mittelpunkt, bevor McLaren sein Portfolio in Richtung Alltagstauglichkeit und höherer Stückzahlen erweitert.

Was bisher zum P47 bekannt ist

Audi Q3 SUV
1.5 TFSI S-Tronic Image: AutoScout24 Model Catalog

Konkrete technische Daten zum geplanten SUV sind noch rar. Fest steht: Es soll ein elektrifiziertes Performance-Modell werden und ungefähr 2028 auf den Markt kommen. Die Bezeichnung Performance-SUV ist dabei entscheidend. McLaren wird voraussichtlich kein klassisches Komfort-SUV mit sportlicher Optik bauen, sondern ein Fahrzeug, das Fahrdynamik und Markenidentität glaubwürdig mit mehr Platz, höherer Sitzposition und größerer Nutzbarkeit verbinden muss.

Offen bleiben zentrale Fragen: Wird der P47 als Plug-in-Hybrid ausgelegt oder als Hybrid ohne externe Lademöglichkeit? Welche Motorarchitektur kommt zum Einsatz? Wie groß wird die Batterie? Wird das Fahrzeug zwei oder drei Sitzreihen bieten? Auch Preis, Produktionsstandort, Plattform und Märkte sind noch nicht offiziell detailliert. Der Zeitrahmen um 2028 deutet jedoch darauf hin, dass McLaren die Entwicklung nicht als kurzfristiges Nebenprojekt betrachtet, sondern als Bestandteil einer breiteren Modellstrategie.

Für Käufer bedeutet das: Wer bisher zwar die Marke McLaren schätzte, aber mit einem zweisitzigen Supersportwagen wenig anfangen konnte, bekommt künftig möglicherweise einen alltagstauglicheren Einstieg in die Marke. Gleichzeitig dürfte das Fahrzeug preislich und technisch klar im Luxus- und Hochleistungssegment positioniert werden.

Warum ein SUV für McLaren sinnvoll sein kann

Audi Q3 SUV
1.5 TFSI S-Tronic Image: AutoScout24 Model Catalog

Auf den ersten Blick wirkt ein SUV für McLaren widersprüchlich. Die Marke hat sich jahrzehntelang über Leichtbau, Rennsportnähe und kompromisslose Sportwagen definiert. Doch der Markt für Luxusautos hat sich verändert. Hochpreisige SUV-Modelle sind für viele Hersteller zu besonders profitablen Baureihen geworden. Porsche hat mit Cayenne und Macan gezeigt, wie stark ein sportlich positioniertes SUV eine Marke wirtschaftlich tragen kann. Lamborghini, Ferrari, Aston Martin und Lotus haben ebenfalls ihre eigenen Interpretationen in diesem Feld platziert.

Für McLaren kann ein solches Modell mehrere Aufgaben erfüllen. Erstens erschließt es Kunden, die mehr Platz, bessere Alltagstauglichkeit oder eine höhere Sitzposition wünschen. Zweitens kann es die Absatzbasis verbreitern, ohne die Supersportwagen unmittelbar zu ersetzen. Drittens bietet ein Hybrid-SUV eine Brücke zwischen klassischer Verbrenner-Performance und zunehmender Elektrifizierung.

Gerade kleine Sportwagenhersteller stehen vor hohen Entwicklungskosten, strengeren Emissionsregeln und wachsendem Druck, ihre Antriebstechnik zu elektrifizieren. Ein erfolgreiches SUV kann finanzielle Spielräume schaffen, die auch künftigen Supersportwagen zugutekommen. Für Enthusiasten ist das ein ambivalenter, aber wichtiger Punkt: Ein weniger puristisches Modell kann am Ende dazu beitragen, dass die kompromissloseren Fahrzeuge weiterentwickelt werden können.

Der P34 hält die Supersportwagen-Linie lebendig

Vor dem SUV soll der P34 erscheinen, ein neuer Hybrid-Supersportwagen mit einer Zielgröße von etwa 810 PS. Damit setzt McLaren die Elektrifizierungsstrategie im Kernsegment fort. Bereits mit dem Artura hat die Marke einen Plug-in-Hybrid-Supersportwagen im Programm, der einen V6-Benziner mit Elektromotor kombiniert. Der P34 dürfte oberhalb oder neben bestehenden Modellen eine neue Leistungsstufe markieren, genaue Positionierung und technische Details sind jedoch noch nicht abschließend bekannt.

Die Reihenfolge ist bemerkenswert: McLaren bringt nicht zuerst das SUV und erklärt danach seine Sportwagenkompetenz, sondern legt offenbar zunächst mit einem starken Hybrid-Supersportwagen nach. Das hilft, die Markenwahrnehmung zu stabilisieren. Für Stammkunden und Fans ist das Signal klar: Die Erweiterung in Richtung SUV soll nicht bedeuten, dass McLaren seine Wurzeln aufgibt.

Ein Hybridantrieb passt zudem zu den Anforderungen moderner Performance-Fahrzeuge. Elektromotoren können beim Anfahren und Herausbeschleunigen sofort Drehmoment liefern, während ein Verbrennungsmotor weiterhin für Reichweite, Klang und hohe Dauerleistung sorgen kann. Die Herausforderung liegt im Gewicht. Batterien, Leistungselektronik und zusätzliche Antriebskomponenten erhöhen die Masse. McLaren muss deshalb zeigen, dass die bekannte Leichtbaukompetenz auch in elektrifizierten Fahrzeugen einen spürbaren Unterschied macht.

Die größte Herausforderung: Glaubwürdigkeit

Das wichtigste technische Datenblatt wird beim P47 nicht allein über Leistung, Beschleunigung oder Höchstgeschwindigkeit entscheiden. Für McLaren geht es um Glaubwürdigkeit. Ein SUV ist höher, schwerer und in der Regel weniger direkt als ein Supersportwagen. Genau diese Eigenschaften stehen im Gegensatz zu dem, was viele Käufer mit McLaren verbinden.

Damit der P47 funktioniert, muss er mehr bieten als ein starkes Antriebssystem und ein bekanntes Emblem. Er braucht eine klare Fahrwerksabstimmung, präzise Lenkung, kontrolliertes Gewicht und ein Design, das nicht beliebig wirkt. Auch die Innenraumqualität wird entscheidend sein. In einem Supersportwagen akzeptieren Kunden eher Kompromisse bei Komfort oder Bedienung. In einem Luxus-SUV erwarten sie hochwertige Materialien, Konnektivität, Assistenzsysteme, Geräuschkomfort und Alltagstauglichkeit.

Für Besitzer könnte ein McLaren-SUV zudem eine neue Rolle einnehmen: nicht als Ersatz für einen 750S, Artura oder künftigen Supersportwagen, sondern als Ergänzung in der Garage. Genau dieses Muster ist bei anderen Luxusmarken bereits sichtbar. Das SUV wird zum Fahrzeug für Familie, längere Reisen oder schlechtes Wetter, während der Sportwagen das emotionale Spitzenprodukt bleibt.

Bedeutung für den Markt

Mit dem geplanten Hybrid-SUV bewegt sich McLaren in ein dichter besetztes, aber lukratives Umfeld. Wettbewerber haben vorgemacht, dass extrem sportliche SUV-Modelle hohe Preise rechtfertigen können, wenn Leistung, Exklusivität und Markenimage zusammenpassen. Gleichzeitig steigt der Erwartungsdruck. Ein später Markteintritt kann Vorteil und Nachteil zugleich sein: McLaren kann aus den Fehlern anderer lernen, muss aber ein Produkt liefern, das sich klar abhebt.

Für die Branche zeigt der Schritt, dass selbst stark fokussierte Sportwagenmarken ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen. Elektrifizierung und neue Kundenerwartungen verändern nicht nur Massenhersteller, sondern auch exklusive Performance-Marken. Hybridtechnik wird dabei zur Übergangslösung und zum Leistungswerkzeug zugleich.

Bis 2028 bleibt vieles offen. Doch die Richtung ist nun erkennbar: McLaren plant nicht nur weitere Supersportwagen, sondern ein breiteres Modellprogramm. Der P47 könnte zum wichtigsten kommerziellen Fahrzeug der Marke werden, während der P34 zeigen soll, dass der Weg ins SUV-Segment nicht auf Kosten der Performance-Identität gehen muss.