Citroën 2CV Concept: günstiges Elektro-Comeback für Europas Städte
Citroën zeigt mit dem 2CV Concept, wie ein sehr preiswerter Elektro-Kleinwagen ab 2028 aussehen könnte. Der geplante Einstiegspreis liegt bei rund 15.000 Euro – abhängig von neuen EU-Regeln.

Ein Klassiker soll elektrisch neu starten
Citroën bereitet eine Neuinterpretation des 2CV vor – nicht als nostalgisches Sammlerstück, sondern als möglichst erschwingliches Elektroauto für den Alltag. Das jetzt gezeigte 2CV Concept gibt einen Ausblick auf ein Serienmodell, das bis Ende 2028 in den Handel kommen soll. Im Mittelpunkt steht ein Preisziel von etwa 15.000 Euro. Für den britischen Markt wird ein umgerechneter Wert von rund 13.000 Pfund genannt, wobei endgültige Preise, Ausstattungslinien und Fördermöglichkeiten noch offen sind.
Damit greift Citroën eine Idee auf, die zum historischen 2CV passt: einfache Mobilität für viele Menschen. Der ursprüngliche Deux Chevaux wurde nicht als Luxusprodukt berühmt, sondern als robustes, praktisches und bezahlbares Auto. Genau diese Rolle soll die elektrische Neuauflage in einer Zeit übernehmen, in der viele neue Elektroautos für private Käufer weiterhin zu teuer sind.
Kleiner als ein klassischer Kleinwagen

Das Konzept misst 3,76 Meter in der Länge und bewegt sich damit im Bereich heutiger Citycars. Interessant ist die Positionierung: Der neue 2CV soll oberhalb des Citroën Ami stehen, der rechtlich als Leichtfahrzeug eingeordnet wird, aber unterhalb eines vollwertigen elektrischen Kleinwagens wie des ë-C3. Damit entsteht eine Zwischenlösung für Käufer, die ein richtiges Auto mit mehr Nutzwert als beim Ami suchen, aber nicht die Größe oder den Preis eines konventionellen Kleinwagens benötigen.
Auch im Vergleich zu anderen kommenden europäischen Stadt-Elektroautos bleibt der 2CV kompakt. Er wird als kürzer als der neue Renault Twingo beschrieben. Das ist für die Stadt wichtig: weniger Länge erleichtert Parken, reduziert Gewicht und kann helfen, Batteriegröße und Kosten niedrig zu halten. Für Pendler, junge Fahrer, Zweitwagenkäufer und Haushalte mit begrenztem Budget könnte genau diese Formel attraktiv sein.
Retro, aber nicht nur als Stilübung

Optisch spielt das Concept mit bekannten 2CV-Motiven, ohne einfach eine alte Karosserieform zu kopieren. Die Grundidee ist retro-futuristisch: freundliche Proportionen, klare Flächen und Details, die an das Original erinnern. Dazu gehört auch ein augenzwinkernder Hinweis auf die berühmte Alltagstauglichkeit des historischen Modells – etwa eine Ablagegestaltung, die an den legendären Eier-Test des 2CV erinnert. Der alte 2CV sollte einst so sanft fahren, dass Eier über unebene Feldwege transportiert werden konnten, ohne zu zerbrechen.
Solche Details sind für Fans wichtig, aber der entscheidende Punkt ist ein anderer: Citroën versucht, das Erbe des 2CV nicht nur über Design zu nutzen, sondern über den Zweck. Der neue Wagen soll einfach, leicht verständlich und bezahlbar sein. Das unterscheidet ihn von vielen Retro-Neuauflagen, die vor allem Emotionen verkaufen und preislich weit vom ursprünglichen Volksauto-Gedanken entfernt sind.
Preis hängt an neuen EU-Regeln
Der geplante Preis von rund 15.000 Euro ist eng mit einer neuen europäischen Fahrzeugkategorie verknüpft, die derzeit zwischen Politik und Herstellern diskutiert wird. Oft wird sie als E-Car-Regelwerk beschrieben: ein vereinfachter Rahmen für kleine, leichte Elektroautos, der Entwicklung, Zulassung und Produktion günstiger machen soll. Noch ist entscheidend, wie diese Regeln am Ende aussehen. Deshalb ist der Preis als Zielwert zu verstehen, nicht als verbindliche Preisliste.
Für die Industrie wäre ein solches Regelwerk bedeutend. Europäische Hersteller stehen unter Druck: Einerseits müssen sie Elektroautos verkaufen, andererseits konkurrieren sie mit preisaggressiven Anbietern aus China und mit gebrauchten Verbrennern, die für viele Kunden finanziell attraktiver bleiben. Wenn kleinere Elektroautos durch angepasste Vorschriften günstiger gebaut werden können, könnte das die Einstiegshürde für die Elektromobilität senken.
Für Käufer bedeutet das: Ein elektrischer Neuwagen muss nicht zwangsläufig ein teures SUV oder ein technisch überladenes Lifestyle-Modell sein. Sollte Citroën den Zielpreis erreichen, läge der 2CV deutlich unter vielen aktuellen Elektro-Kleinwagen. Ob er nach Steuern, Optionen, Batteriekonzept und nationalen Förderungen tatsächlich so günstig beim Kunden ankommt, bleibt abzuwarten.
Warum Citroën diese Lücke sieht
Der Markt für sehr kleine Autos ist in Europa ausgedünnt. Viele Hersteller haben klassische Einstiegsmodelle eingestellt, weil strengere Sicherheits- und Emissionsvorgaben, hohe Entwicklungskosten und geringe Margen das Segment unattraktiv machten. Gleichzeitig sind neue Autos insgesamt teurer geworden. Genau hier soll der 2CV ansetzen.
Citroën hat mit dem Ami bereits Erfahrung mit radikal einfacher Elektromobilität gesammelt. Der Ami ist günstig und extrem kompakt, aber in Leistung, Komfort und Einsatzbereich begrenzt. Der ë-C3 wiederum ist ein vollwertiger Kleinwagen und deutlich vielseitiger, aber auch größer und teurer. Ein elektrischer 2CV könnte die Lücke dazwischen schließen: mehr Auto als ein Leichtfahrzeug, weniger Kosten und Komplexität als ein normaler Kleinwagen.
Was Käufer erwarten dürfen – und was noch offen ist
Noch fehlen zentrale technische Daten. Angaben zu Batteriegröße, Reichweite, Ladeleistung, Motorleistung, Gewicht und Innenraumvarianten sind bislang nicht endgültig. Bei einem Auto mit diesem Preisziel ist jedoch zu erwarten, dass Citroën auf einfache Lösungen setzt: eine moderate Batterie für Stadt- und Umlandfahrten, robuste Materialien, reduzierte Ausstattung und eine klare Bedienlogik statt kostspieliger Hightech-Inszenierung.
Das muss kein Nachteil sein. Viele Käufer benötigen im Alltag keine 500 Kilometer Reichweite, Luftfederung oder drei Bildschirme. Ein günstiger Stadtwagen muss zuverlässig, sicher, leicht zu parken und billig im Betrieb sein. Entscheidend wird sein, ob Citroën die Balance trifft: genug Komfort und Sicherheit für den Alltag, aber nicht so viel Komplexität, dass der Preisvorteil verschwindet.
Bedeutung über Citroën hinaus
Der elektrische 2CV ist mehr als ein Markenprojekt. Er ist ein Testfall dafür, ob europäische Hersteller wieder glaubwürdige Einstiegsautos bauen können. Wenn das Konzept aufgeht, dürfte es Nachahmer geben – bei Stellantis-Marken ebenso wie bei Wettbewerbern. Kleine Elektroautos könnten dann wieder eine ernsthafte Rolle im Neuwagenmarkt spielen, statt nur als Nischenprodukte für Carsharing oder Innenstadtflotten zu gelten.
Für Enthusiasten ist die Rückkehr des 2CV emotional interessant, weil Citroën eine seiner wichtigsten Ikonen neu interpretiert. Für normale Autokäufer ist jedoch wichtiger, dass hier ein bezahlbarer Weg zur Elektromobilität entstehen könnte. Und für die Branche stellt sich die Frage, ob Einfachheit wieder ein Verkaufsargument werden kann.
Noch bleibt der neue 2CV ein Konzept mit einem ambitionierten Preisziel und einem angepeilten Start gegen Ende 2028. Doch die Richtung ist klar: weniger Gewicht, weniger Kosten, weniger Überfluss – und damit möglicherweise genau das, was vielen europäischen Autokäufern derzeit fehlt.



