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Euro 7 begrenzt künftig Reifen- und Bremsabrieb

Mit Euro 7 rücken erstmals Partikel aus Reifen und Bremsen in den Fokus. Für neue Fahrzeugmodelle gelten die Vorgaben ab 29. November 2026.

Die kommende Euro-7-Norm erweitert den Emissionsfokus über Abgase hinaus: Für die Typgenehmigung völlig neuer Fahrzeugmodelle gelten ab 29. November 2026 erstmals klare Grenzwerte für Reifen- und Bremsabrieb. Ein Jahr später werden die Vorgaben auch für alle neuen Serienautos Pflicht. Für Lastwagen und Busse soll die Regelung ab Mai 2028 folgen. Damit geraten zwei Partikelquellen stärker in den Blick, die beim Fahren unabhängig vom Antrieb entstehen. Reifen verlieren laufend feine Gummipartikel; weltweit gelangen dadurch jährlich etwa sechs Millionen Tonnen Abrieb in die Umwelt. In der Schweiz werden rund 8900 Tonnen Partikel pro Jahr genannt, womit Reifen dort als grösste Quelle von Mikroplastik gelten. Auch Bremsbeläge und Bremsscheiben setzen bei jedem Verzögern Mikropartikel frei. Elektroautos lösen das Problem nicht automatisch, auch wenn sie lokal keine Abgase ausstossen: Wegen schwerer Hochvoltbatterien bringen sie mehr Masse auf die Räder, was den Reifenverschleiss laut Studien um bis zu 50 Prozent erhöhen kann. Zugleich kann Rekuperation den Einsatz der mechanischen Bremse verringern; die Euro-7-Vorgaben betreffen dennoch auch den Bremsabrieb als eigene Emissionsquelle.

Reifenhersteller arbeiten deshalb an Mischungen, Konstruktionen und zusätzlichen Systemen, die weniger Abrieb erzeugen oder Partikel auffangen sollen. Continental setzt unter anderem auf Kautschuk aus russischem Löwenzahn und nennt als Ziel eine Verringerung von Verschleiss und Rollwiderstand um rund 25 Prozent. Michelin verfolgt das Ziel, Reifen vollständig aus biologisch hergestellten und recycelten Materialien zu fertigen; genannt werden Naturkautschuk, recycelte Kunststoffe und pflanzliche Öle. Bereits erhältlich ist der Pirelli P Zero E, der zu 55 Prozent aus nachhaltigen Stoffen besteht. Goodyear hat einen strassenzugelassenen Prototypen mit 90 Prozent nachhaltigen Materialien gezeigt. Daneben entwickeln Unternehmen wie The Tyre Collective Auffangsysteme am Rad, um Reifenpartikel gar nicht erst in die Umwelt gelangen zu lassen; ein Marktstart solcher Systeme ist offen. Weitere Ansätze betreffen luftlose Reifenkonzepte mit Lamellenstrukturen, die Unebenheiten ausgleichen, Pannen vermeiden und Abrieb reduzieren sollen. Der wirtschaftliche Druck wächst parallel zur Regulierung: BCC Research beziffert den Markt für grüne Reifen auf 70 Milliarden Franken im Jahr 2024 und erwartet bis 2029 rund 123 Milliarden Franken, was einem jährlichen Wachstum von fast 12 Prozent entspricht.