Autoreparaturen werden zum Sensor-Job
Moderne Fahrzeuge machen selbst Karosserieschäden komplexer: Kameras, Sensoren und Assistenzsysteme müssen nach Unfällen oder Reparaturen häufig neu kalibriert werden.
Moderne Fahrzeuge machen selbst vermeintlich einfache Karosserie- und Lackreparaturen deutlich anspruchsvoller. Nach einem Unfall oder einer Karosseriearbeit müssen Kameras, Sensoren und Assistenzsysteme häufig neu kalibriert werden, damit Sicherheits- und Komfortfunktionen korrekt arbeiten. Chris Raus, Director of Group Aftersales bei der Amag Import AG, stellte diese Entwicklung beim Totalrepair-Event in Sursee vor mehr als 100 Teilnehmenden als zentrale Veränderung für die Branche dar: Kundinnen und Kunden erwarteten weiterhin sichere, transparente und unkomplizierte Lösungen nach einem Schaden.
Netzwerk wächst, Kosten steigen
Das Carrosserie- und Lack-Kompetenznetzwerk Totalrepair ist nach Angaben der Amag Import AG in drei Jahren von 36 auf 139 Partnerbetriebe in der Schweiz gewachsen. Das Netzwerk unterstützt Betriebe bei Schulungen und bei der Einhaltung steigender Qualitäts- und Nachhaltigkeitsanforderungen. Zugleich haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschärft: Seit 2019 seien die Schadenkosten um 21 Prozent gestiegen. Daraus entsteht ein Zielkonflikt, weil Kundschaft und Versicherungen möglichst günstige Karosserie- und Lackreparaturen verlangen, während die technische Komplexität und die Teilepreise zunehmen. Totalrepair betont deshalb, dass nicht an sicherheitsrelevanten oder fachlich notwendigen Arbeitsschritten gespart werden dürfe. Gleichzeitig sollen zeitwertgerechte Reparaturen helfen, bei älteren Fahrzeugen wirtschaftliche Totalschäden zu vermeiden.
Nachhaltigkeit und digitale Abläufe
Neben den Kosten gewinnt die Ressourcenschonung für Carrosserie-Betriebe an Bedeutung, weil Versicherungen und Flottenbetreiber zunehmend darauf achten, wie Schäden behoben werden. Roger Allenspach, Senior Market Manager ADM der Amag Import AG, verwies auf Entsorgungs- und Recyclingkonzepte sowie die Initiative „Way 2 Zero“. Sie soll Betriebe bei regulatorischen Anforderungen und bei der CO₂-Reduktion unterstützen. 89 Totalrepair-Betriebe haben demnach bereits eine Datengrundlage für eine CO₂-Bilanz geschaffen und können daraus konkrete Ansatzpunkte im eigenen Betrieb ableiten. Das neue Label soll zudem gegenüber Autofahrerinnen und Autofahrern sichtbar machen, dass ein Betrieb nachhaltiger arbeitet.
KI soll Durchlaufzeiten verkürzen
Auch künstliche Intelligenz spielt in der Karosserie- und Lackbranche eine wachsende Rolle. Alexander Grimm, CEO und Mitgründer der Aspaara AG, verglich eine vorausschauende Betriebsplanung mit Navigationssystemen, die bei Stau automatisch eine effizientere Route berechnen. Seiner Berechnung zufolge sind Durchlaufzeiten ohne KI-gestützte Planung 20 Prozent länger, zudem könne jeder vierte Abliefertermin nicht eingehalten werden. KI soll vor allem helfen, die Lackierkabine als häufigen Engpass besser auszulasten. Zusätzlich setzt Totalrepair auf ein 24/7-Online-Schadenmeldungstool: Schäden können rund um die Uhr erfasst werden, sodass Betriebe Ersatzteile bestellen und Arbeiten vorbereiten können, bevor das Unfallfahrzeug eintrifft. Die Entwicklung zeigt, dass Karosserie- und Lackreparaturen stärker digitalisiert und technischer werden, während das Ziel für Kundinnen und Kunden unverändert bleibt: Das Auto soll nach einem Schaden fachgerecht, sicher und möglichst schnell zurück auf die Strasse.
